WM in Bratislava – Der Rückblick

Ladystrike.com hat die WM in Bratislava aus nächster Nähe miterlebt. Eine halbe Woche nach dem letzten Abpfiff ist es nun an der Zeit, ein Fazit zu ziehen.

Die Schweizerinnen haben das Minimalziel erreicht (Foto: Fabian Trees, www.imagepower.ch)
Die Schweizerinnen haben das Minimalziel erreicht (Foto: Fabian Trees, www.imagepower.ch)

Organisation

Dass das slowakische Frauennationalteam begeisterndes Unihockey gespielt hat, dies dürfte nicht nur ladystrike.com aufgefallen sein. Auch zahlreiche heimische Fans haben während den Spielen des Gastgeberteams den Weg in die Arena gefunden und die Stimmung kann zum Schluss des Spiels um Rang fünf darf schon fast als bombastisch bezeichnet werden.

Leider hat die Euphorie ums Heimteam aber auch Schattenseiten. Da die Slowakei „nur“ auf Rang 9 der Weltrangliste klassiert war, hiessen die Vorrundengegner Estland, Singapur und Australien. Die Spiele wurden trotzdem immer in der grossen Arena ausgetragen. Was zur Folge hatte, dass die hochklassigsten Spiele der Vorrunde (Schweden gegen Schweiz und Finnland gegen Tschechien) in der schon etwas in die Jahre gekommenen Zweithalle (Hant-Arena) und beinahe unter Ausschluss der (breiten) Öffentlichkeit gespielt worden sind. Die ganze Organisation, wenn sie denn funktionierte, war auf das Heimteam ausgerichtet. Dies hatte zur Folge, dass in der Hant-Arena auch noch am zweiten Tag der WM am Erscheinungsbild gebastelt wurde und dem australischen Team während dem Warm-Up beinahe die Flaggen (inkl. dickem Drahtseil) der Teilnehmernationen auf den Kopf gefallen wären. Von offiziellen Fahrern, welche sich in Bratislava nicht auskannten, verspäteten Teambussen, Chauffeuren mit Hang zu freihändigem Fahren und der Idee, dass gegnerische Teams doch den gleichen Bus nehmen könnten, war alles zu finden.

Werbung, Anzeigen oder Ähnliches fehlten gänzlich in der Stadt Bratislava. Während Finnland mit „magical together“ der WM ein würdiges Motto verpasst hatte, gab es in der Slowakei nur Tristesse und Plattenbauten. Dies führe dazu, dass zwanghaft nach lustigen Aufhängern für Videos gesucht wurde und dem einen oder anderen Team in den unmöglichsten Situationen Dinge aufgezwungen wurden.

Die Organisation kann demnach als bemüht bezeichnet werden. Die WM in der Slowakei dürfte dem IFF im Hinblick auf mehr mediale Präsenz oder eine höhere Anerkennung der Sportart einiges an Kopfzerbrechen besorgt haben.

Das Schweizer Team

Am Schluss wurde mit Bronze das Minimalziel erreicht. Dies darf schon einmal als Erfolg verbucht werden. Die Spielerinnen waren alle mit Leidenschaft und Einsatz dabei und das Team wirkte auf die Zuschauer wie eine gut eingestimmte Einheit. Mit Lara Heini hatte die Schweiz zudem die wohl beste Torhüterin im Team, Flurina Marti war DER Abwehrgeneral und Corin Rüttimann konnte dem Team die notwendigen Impulse geben. Und auch die Schweizer Fans sorgten in Bratislava für viel Farbe und eine gute und lautstarke Stimmung.

Also war alles gut. Oder? Nein, leider nicht. Gegen ein statisches Finnland versuchte die Schweiz im Halbfinale noch statischer zu agieren. Von sämtlichen Tugenden, welche im swiss way aufgeführt sind, war nicht wirklich viel zu sehen. Statt Kreativität zu leben, wurde der Ball Mal für Mal in die Ecke geschlagen und dort wurde versucht, ihn wieder auszugraben. Im Powerplay war Standunihockey angesagt. Von erster Gedanke vorwärts und klugen Entscheidungen war nicht wirklich viel zu sehen. Der Eindruck, dass dieses Finnland an genau diesem Tag zu schlagen gewesen wäre, blieb. Und auch im Spiel um Platz drei wurde die Umsetzung des nationalen Konzepts vergeblich gesucht. Die Auslösungen waren zu statisch und durchschaubar und der Zug aufs Tor fehlte.

Wie Eingangs erwähnt: der Leidenschaft und der Einsatzbereitschaft sämtlicher Schweizer Spielerinnen kann ein gutes, wenn nicht sogar sehr gutes Zeugnis ausgestellt werden. Es wäre den Spielerinnen, welche ihre Lebensgestaltung der Nati unterordnen, zu gönnen, dass der swiss way-Funke auch auf die Frauennati überspringt. Was damit möglich ist, das haben David Jansson und sein Team gezeigt. Springt der Funke nicht, dann könnte ein Team wie die Slowakei schon bald dafür sorgen, dass Bronze eine Erinnerung aus alten Zeiten bleibt. Oder ketzerisch gefragt: Muss als weiblicher Gegenpart zu David Jansson Linn Lundström als Schweizer Natitrainerin verpflichtet werden?

Aufgefallen

Das All-Star-Team der WM war mit einer Ausnahme ein Team, welches wohl schon vor der WM so hätte gewählt werden können. Dass eine My Kippilä nicht ihr bestes Turnier spielte und trotzdem in diesem Team war, zeigt schon einiges auf. Trotzdem hat diese WM einige Neuentdeckungen oder eben rising stars hervor gebracht.

Veera und Oona Kauppi haben schon in den letzten Jahren gezeigt was in ihnen steckt. Im WM-Final gehörten sie zu den prägenden Figuren. Veera Kauppi wäre dabei beinahe alleine für die Wende und den finnischen Sieg verantwortlich gewesen. Nur beim Penaltyschiessen zeigte die junge Finnin (Jahrgang 1997) Nerven und verschoss zwei Versuche. Veera Kauppi war damit, wie bereits beim letzten Finale, die tragische Figur. Trotzdem waren sich nach dem Finale alle (ja, auch die schwedischen Medienvertreter) einig, dass Kauppi in den nächsten Jahren wohl eine der besten Unihockeyspielerinnen sein wird. Die technische Finesse dazu hat sie. Ihre Zwillingsschwester, Oona Kauppi, ist etwas im Schatten der Schwester. Doch auch Oona Kauppi verfügt über ein aussergewöhnliches Talent. Mit My Kippilä und den Kauppi-Schwestern steht die Achse für eine künftige „beste erste Linie der Welt“.

Auch im schwedischen Team, welches mit neun WM-Debütantinnen angetreten ist, konnten einige Spielerinnen entdeckt werden, welche künftig für die Musik sorgen werden. Speziell erwähnt werden können dabei Alice Granstedt und Sofia Joelsson. Die beiden bildeten mit Emelie Wibron die gefährlichste Angriffsformation der Schwedinnen. Alice Granstedt (Jahrgang 1997) hätte eigentlich bei der letzten U19-WM in Kanada der grosse Star werden sollen. Doch zwei Monate vor der WM riss sie sich das Kreuzband. Nach einer langen Reha-Phase kehrte sie pünktlich auf den SSL-Final aufs Feld zurück und gehört seither zu den wichtigsten Spielerinnen bei IKSU. Sofia Joelsson (Jahrgang 1996) war nie wirklich Teil der schwedischen U19-Nati. Bei IKSU hat sich die wirblige und unberechenbare Spielerin aber einen Stammplatz erkämpft und sich so für die Nati empfohlen. Der kleine Flügelflitzer gehört wohl nicht zu den technisch allerbesten Spielerinnen, sie weiss aber definitiv wo das Tor steht.

Die beste erste Linie der WM stellte die Slowakei. Paulina Hudakova (Jahrgang 1998) war mit zwölf Toren und 15 Assists die beste Skorerin des gesamten Turniers. Lucia Kosturiakova war auf der Center-Position das Hirn hinter sämtlichen Aktionen und zeigte über das gesamte Turnier eine hervorragende Leistung. Sie war Dreh- und Angelpunkt des slowakischen Spiels. Wäre sie Center in der schwedischen Nationalmannschaft, dann hätte ihr der goldene Asics-Schuh der besten Spielerin fraglos gehört. Und Denisa Ferencikova ergänzte dieses Trio mit einer physisch starken und schnurgeraden Spielweise. Ziehen bei der Slowakei, welche eines der jüngsten Teams gestellt hat, bei der nächsten WM auch noch die Linien zwei und drei mit, dann könnte dem einen oder anderen Gegner ganz schön angst und bange werden.

Im tschechischen Team heisst die Zukunft Nela. In der ersten Linie standen mit Nela Kapcova (Center) und Nela Jirakova (Verteidiger) zwei Spielerinnen mit Jahrgang 1998 oder 1999. Und beide zeigten im Bronzespiel eine hervorragende Leistung. Vielleicht wären dies Spielerinnen, welche künftig auf der Wunschliste von Schweizer Trainern stehen könnten. Kapcova sorgte während dem Turnier für neun Treffer und sechs Assists.

Einen rising star im Schweizer Team zu finden, das fällt nicht leicht. Die alten Namen haben die WM für die Schweiz geprägt. Einzig Isabelle Gerig hielt das Fähnlein der Jungspunde in der Nati hoch. Die 19-jährige spielte eine solide WM, konnte aber noch nicht für die grossen Schlagzeilen sorgen.

Alte Hasen treten ab

Diverse Spielerinnen, welche in den vergangenen Jahren die WMs geprägt haben und momentan in der Schweiz aktiv sind, werden in Neuchâtel nicht mehr dabei sein.

Ela Piotrowska tritt nach fünf Weltmeisterschaften aus der polnischen Nati zurück. Insgesamt hat Piotrowska 32 WM-Spiele bestritten und dabei für 29 Skorerpunkte gesorgt.

Bei den deutschen hören die beiden Urgesteine Katja Timmel und Franziska Kuhlmann auf. Timmel spielte ihre erste WM im Jahr 2001 und kann am Schluss, auch „dank“ viel Verletzungspech, auf „nur“ fünf Weltmeisterschaften und 26 Spiele zurück blicken. Franzi Kuhlmann war zuletzt Captain von Deutschland und kann auf vier WM-Turniere zurück blicken.

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