Quo vadis Schweizer Damen-Unihockey

Der letzte Artikel, den ladystrike.com je publizieren wird, widmet sich der vergangenen U19-WM und der sich daraus stellenden Frage: quo vadis Schweizer Damen-Unihockey?  

Zuerst zur aktuellen WM-Kampagne: In den letzten Jahren haben wir persönlich Spielerinnen begleitet (sprich trainiert), welche den Sprung an die WM geschafft haben. Und wir können mit vollster Überzeugung sagen, dass diese alles dafür getan haben um erfolgreich zu sein. Wir haben den Staff der Nationalmannschaft immer wieder in der Halle gesehen und wissen, dass auch dieser nicht einfach ins Blaue selektioniert hat. Klar kann immer über einzelne Spielerinnen diskutiert werden und jeder Verein hätte da sicher noch eine Spielerin gehabt, welche gerade an dieser WM den Unterschied hätte ausmachen können. Doch solche Diskussionen sind müssig. Wir müssen als Aussenstehende davon ausgehen, dass an der WM das bestmögliche Team bereit stand, welches sich nach bestem Wissen und Gewissen vorbereitet hat. Wichtig ist, dass alle Finger-Zeiger verstehen: Weder der Verband, noch der Trainer, noch der Staff und schon gar nicht die Spielerinnen sind nach St. Gallen gereist und haben die Spiele absichtlich verloren. Umso wichtiger ist es, dass die Gründe gesucht werden, weshalb die gesteckten Ziele nicht erreicht worden sind und weshalb das Projekt 18 Karat Gold am Schluss klar gescheitert ist. Wir sind der Überzeugung, dass diese Aufgabe, also die Analyse der Kampagne, nur durch den Verband und den Staff vollumfänglich erledigt werden kann. Denn nur die direkt involvierten Parteien kennen alle Fakten und alle kleinen Entscheide, welche am Schluss zum grossen Ganzen und eben zum fünften Rang geführt haben.

Um etwas weiter zu greifen stellt sich die zentrale Frage: welche Sportart wollt ihr spielen? Eine, welche über eine herausfordernde internationale Konkurrenz verfügt und bei der vor einer WM viele Favoriten genannt werden können, wo spekuliert werden darf, wo die Spiele eng sind und die Resultate ungewiss? Oder doch eher eine, in der die Schweizer Nati an die WM reist und eigentlich schon von Beginn an Bronze abholen könnte, es sei denn, es gibt mal einen Exploit und Silber.

Wir glauben, wenn wir tatsächlich die Vision verfolgen, dass unsere Kinder dereinst um olympische Medaillen kämpfen werden, dann ist die Antwort: die erste Sportart! Wir brauchen eine starke internationale Konkurrenz, damit Unihockey international anerkannt wird und sich ins Interesse der Sponsoren, der Medien oder halt einfach der Welt spielen kann. John Liljelund soll in St. Gallen vor internationalen Verbandsvertretern gesagt haben, dass es irgendwann einmal eine Top-4-Nation treffen musste. Dass die Zeit halt einfach auch einmal reif war, damit sich andere ins Rampenlicht der Halbfinalspiele spielen konnten. Es hat die Schweiz getroffen.

Die WM in St. Gallen kann als Spitze des Eisbergs bezeichnet werden, wenn man nach den Gründen sucht, weshalb die Schweiz die Lücke gegen vorne nicht schliessen konnte und die Tschechen, die Slowaken (trotz Abstieg in die B-Division, bei den Damen ist die Slowakei näher an die Topnationen gerückt) und jetzt auch die Polen aufgerückt sind und uns teilweise schon mehr als nur im Nacken sitzen. Der Kern des Problems liegt für uns darin, dass die Strukturen des Schweizer Damen-Unihockeys momentan nicht stimmen und dass für den Turnaround zuerst grundlegende Fragen geklärt werden müssen.

Tatsache ist, dass in der Schweiz NLA-Damen-Vereine bei den U21-Juniorinnen Forfait-Niederlagen kassieren, weil aufgrund von Juniorinnenmangel kein Team gestellt werden konnte oder dass es Vereine in der NLB und der 1. Liga gibt, welche im nächsten Jahr wohl nur mit grösster Fantasie die Pflichtteams stellen werden. Steht die Pyramide nicht auf einem soliden Fundament, dann kippt zuerst die Spitze weg, oder anders ausgedrückt: Ist der Topf an Spielerinnen, welche für eine Auswahl in Frage kommen, zu klein, dann können keine internationalen Spitzenresultate herausgespielt werden. Und dies scheint im Moment in der Schweiz der Fall zu sein. Fazit daraus ist, dass sämtliche Vereine der Schweiz dafür sorgen müssen, dass dieses Problem in der Zukunft eliminiert wird. Weshalb werden beispielsweise keine „go girls!“-Events mehr durchgeführt und gepusht?

In Schweden und in Finnland endet die Juniorinnen-Zeit mit 19 Jahren. In der Schweiz können Spielerinnen bis 21 in Juniorinnen-Teams mitspielen. Gleichzeitig wird auf eine U23 verzichtet, da gemäss swiss unihockey bei den Damen im Elite-Bereich der Konkurrenzdruck und die Leistungsdichte fehlen würden, die ein U23-Team rechtfertigen. Eine junge Spielerin kommt in der Schweiz also früh in einen NL-Kader und schafft damit auch früh den Sprung in die Nationalmannschaft. Dafür stehen in U21-Kadern Spielerinnen, welche den Sprung nie schaffen werden und nehmen damit den talentierten 16-jährigen Spielzeit und Verantwortung ab. Müsste der Verzicht auf eine U23 nicht auch konsequenterweise den Verzicht auf eine U21-Meisterschaft zur Folge haben und stattdessen eine U19-Meisterschaft eingeführt werden? Wo sind die Vorteile, wenn eine U19-Nationalspielerin in der NL-Meisterschaft auf der Bank sitzt, statt in der U19-Meisterschaft Verantwortung zu übernehmen?

Wir sind davon überzeugt, dass mit dem swiss way eine Vision geschaffen worden ist, welche das Schweizer Unihockey weiter bringt. Wäre es nicht möglich, dass sich die NL-Vereine darauf einigen, die Ausbildung und die Spielart an den swiss way anzupassen und so gemeinsam dafür sorgen würden, dass das Schweizer Unihockey als Gesamtpaket vorwärts kommt? Die beschriebenen Skills sind unserer Meinung nach zentral, damit eine Spielerin auf internationalem Parkett bestehen kann. Weshalb können diese Skills dann nicht auch bereits auf Juniorenstufe und auf Vereinsebene geübt werden? Uns ist bewusst, dass es Vereine gibt, welche in diesem Bereich vorbildlich arbeiten aber dies müsste flächendeckend umgesetzt werden. Und wie ist es möglich, dass die Schweizer Identität bei der Herren-Mannschaft klar ersichtlich ist und die Damen-Nati den swiss way nur am Rande lebt? Müsste uns nicht zu denken geben, dass die Herren momentan den Gap zu den Spitzenteams schliessen und die Damen von hinten überholt werden?

Lasst uns diesen fünften Rang und diesen Schuss vor den Bug zum Anlass nehmen das Ruder gemeinsam in die Hand zu nehmen und das Schiff „Schweizer Damen-Unihockey“ wieder auf Kurs zu bringen. Es ist nicht zu spät. Es braucht künftig mehr Aufwand für einen Medaillenrang an einer WM. Sind wir bereit, diesen Aufwand zu leisten und die Strukturen den neuen Zeiten anzupassen, dann dürfen wir auch in Zukunft Siege bejubeln und Medaillen feiern.

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